Donnerstag, 27. Januar 2011

Abgemagerte Pferde - Auffüttern durch vorsichtigen Gewichtsaufbau

Ein abgemagertes Pferd macht jeden Pferdebesitzer Sorgen, da die Ursache oft nicht bekannt ist und auch nicht unbedingt mit zu geringen Futtermengen zusammenhängt. Die Rippen zeichnen sich deutlich ab, die Hüfthöcker stehen hervor und die einzelnen Wirbel sind deutlich zu sehen. Was können die Ursachen dafür sein? Und wie kann man das Gewicht wieder vorsichtig aufbauen?

Die Gründe für ein abgemagertes Pferd können vielfältig sein. Auf der einen Seite können medizinische Probleme wie Magengeschwüre, Darmentzündungen, Leberprobleme, schlechte Zähne oder Wurmbefall die Ursache sein. Auf der anderen Seite kann dauerhafter Stress durch schlechte Haltungsbedingungen oder falsches Training für die Gewichtsabnahme verantwortlich sein. Aber auch eine unausgewogene Zusammensetzung der Futterration und eine mangelnde Bedarfsdeckung mit Magnesium, Zink, Mangan und den B-Vitaminen können zu einem ungewollten Gewichtsverlust führen.

Grundsätzlich ist eine kontinuierliche Raufutterversorgung durch Heu, Gras oder Stroh Grundvoraussetzung für ein gesundes Pferd. Da ein Raufuttermangel zur Beeinträchtigung der Darmflora und zu einer gestörten Nährstoffausbeute führt, muss auf das richtige Verhältnis zwischen Raufutter und Getreide geachtet werden. Dieses soll das Verhältnis zwei zu eins nicht unterschreiten. Auch ein Überschuss an Getreide bringt den Darm aus dem Gleichgewicht und ein anscheinend gut gefüttertes Tier magert ab.

Außerdem muss das Verhältnis zwischen der körperlichen Bewegung und der Energieaufnahme stimmen. Ein Pferd muss natürlich mehr Futter bekommen, wenn es mehr leistet. Bei der Anpassung der Futtermenge auf die Leistung, darf man jedoch Stress, Futterverwertung und die Darmtätigkeit nicht unbeachtet lassen.

In Stresssituationen steigt auch der Bedarf an den B-Vitaminen, an Magnesium und den Spurenelementen Zink, Kupfer, Selen, Chrom und Mangan. Stress, der zum Beispiel bei Zuchttieren oder bei Transporten und durch Turnierleistungen erzeugt wird, hat eine große Auswirkung auf den Stoffwechsel und kann nicht alleine durch vermehrtes Futter wettgemacht werden.

Wenn älter Pferde abmagern, hängt dies oft mit Zahnproblemen zusammen. Schlechte, unbehandelte Zähne führen zu Kauproblemen. Bei diesem Verdacht sollten die Zähne unbedingt vom Tierarzt kontrolliert werden. Auch der Stoffwechsel macht bei älteren Pferden oft nicht mehr so mit und kann Grund für den Gewichtsverlust sein. Oft ist ein Zinkmangel Grund für die Abmagerung oder Mäkeligkeit in der Futteraufnahme. Zink ist wichtig für den Aufbau der Darmschleimhaut. Ein Mangel an Vitamin B12 kann zu einer Störung der Darmflora führen und den Nährstoffaufschluss behindern.

Beim Auffüttern muss man vorsichtig vorgehen. Wenn man nämlich ein abgemagertes Pferd mit reichlich Kraftfutter versorgt, geht das nach hinten los. Man kann sich sicher sein, dass dadurch der Verdauungstrakt und der Stoffwechsel überfordert werden und Verdauungsbeschwerden und Stoffwechselentgleisungen die Folge sind.

Nur langsam dürfen Arbeitsleistung und Getreidefütterung gesteigert werden. Das Pferd muss sich an größere Mengen erst wieder gewöhnen. Eine schonende Auffütterung mit viel hochwertigen Fasern und wertvollen Ölen ist notwendig. Auch darf man nicht vergessen, dass ein Pferd in der Zeit des Hungers nicht nur eine defizitäre Energieversorgung hatte, sondern auch mit zu wenigen Nährstoffen wie Mineralien, Vitaminen und Spurenelementen versorgt wurde. Daher ist bei der Auffütterung auf eine ausgewogene Mineralisierung zu achten um Mangelzustände auszugleichen. Malz und Hefekulturen sorgen für eine Aktivierung der Darmflora und damit zu einer besseren Futterverwertung.

Wir empfehlen für einen vorsichtigen Gewichtsaufbau am Beispiel eines Warmbluts, 500 kg, der 100 kg zunehmen soll:

  • 1 kg Struktur Energetikum
  • 1 – 2 kg Hesta Mix, Vitalmüsli Beste Jahre oder Reformmüsli G
  • 100 ml Leinöl/HippoLinol
  • 300 – 500 ml EquiMall und/oder
  • 30 g Hefekultur

Bei stark demineralisierten Pferden empfehlen wir kurweise:

100 g MicroVital

Bei schlechter Raufutterqualität oder als zusätzlicher faserreicher Energielieferant kann Pre Alpin Wiesencobs und/oder Luzerne Mix gegeben werden.

*Dieser Artikel basiert auf dem Text Rappeldürr von Dr. Susanne Weyrauch.