Montag, 23. Februar 2015

Leichtverdauliches Kraftpaket – Hafer bringt Power und ist gesund

Früher waren Pferde, die nach anstrengender Arbeit aus einem am Hals hängenden Sack Hafer naschten, ein gängiges Bild. Heute fragen sich viele: Ist Hafer in der Ernährung unserer Tiere überhaupt noch zeitgemäß? Sollte es nicht besser ein modernes, toll duftendes Müsli ohne Hafer sein… Nein.

Hafer ist von gestern, enthält zu viel Eiweiß, unsere heutigen Freizeitpferde brauchen dieses Kraftfutter nicht mehr, es macht sie nur hitzig… Die Mythen und Vorurteile, die sich rund ums Haferfüttern bei Pferden ranken, treiben ständig neue Blüten. Gleichzeitig leiden immer mehr unserer großen Freunde unter Allergien und „Wohlstandserkrankungen“ – und viele Pferdebesitzerinnen beginnen daher ernsthaft umzudenken. Gut so. Hafer ist nämlich nach wie vor das bekömmlichste Getreide für Pferde, er kann einfach am besten verdaut werden. Und günstig ist Hafer auch. Wichtig sind natürlich eine gute Qualität und die richtige Trocknung des Getreides.

Weniger wichtig ist es, ob der Hafer in natura oder gequetscht – wie die Haferflocken für den Menschen – kommt. Solange das Pferd gute Zähne hat und ordentlich kauen kann, wird es das ganze Korn samt den Pelzen (im Gegensatz zu Mais oder Gerste) problemlos verdauen. Das hat den Vorteil, dass der Hafer länger haltbar ist – gequetschte Körner müssen nach spätestens drei Tagen verbraucht sein. Wenn im Pferdeapfel noch ein paar Körner zu finden sind, ist das übrigens ganz normal.

Aber wie ist das mit dem angeblich zu hohen Eiweißgehalt des Hafers? – Naja, mehr als Gerste enthält er auch nicht. Dafür zeichnet er sich durch einen wesentlich höheren Gehalt an essentiellen Aminosäuren, wie die Aminosäure Lysin, aus – und das ist eindeutig ein dickes Plus. Das Pferd dankt es nicht nur mit einem glänzenden Haarkleid. Auch die enthaltenen Schleimstoffe tun dem Pferd gut. Zudem enthält Hafer keine Klebereiweiße wie Weizen, Dinkel oder Roggen, die zu Verkleisterung des Magens führen können (Hafer ist daher auch für Gluten-empfindliche Menschen gut geeignet).

Und wie steht es mit dem Vorwurf: Hafer mache das Pferd hitzig? Mangels wissenschaftlicher Erkenntnisse bleiben hier nur Spekulationen: Trägt Hafer Schuld an schnellen Energieschüben…? Dass Hafer allerdings nicht in rauen Mengen, sondern gut dosiert und in Kombination mit Vitaminen, Mineralfutter und natürlich Raufutter verfüttert werden darf, liegt auf der Hand. Aber einseitige Ernährung ist immer problematisch und kann zu Störungen aller Art führen. Am Hafer liegt das aber grundsätzlich nicht – höchstens am Menschen, der sich nicht ausreichend um das Pferd und seine Bedürfnisse kümmert!