Soll ich mein Pferd eindecken?

Montag, 18. November 2019

Soll ich mein Pferd eindecken?

Wenn die Tage länger werden und die Temperaturen sich immer mehr dem Nullpunkt nähern, fragen sich viele Pferdebesitzer, ob sie ihr Pferd eindecken sollten oder nicht.

Die kurze Antwort auf all diese Fragen lautet: es kommt darauf an. Es gibt eine Vielzahl von Faktoren, die diese Entscheidungen beeinflussen. Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass ein Hauptfaktor die Haltungsart ist.

Auf die Haltungsart kommt es an

Die Haltungsart ist der wichtigste Faktor. Hält man das Pferd mit natürlich ausgebildetem Winterfell oder nutzt man eine Decke als Schutz vor niedrigen Temperaturen? Pferde, die immer auf der Koppel sind, legen sich ein dichtes Winterfell zu. So sind sie gut geschützt vor allen möglichen Wetterkapriolen. Da sie Temperaturschwankungen auch gewöhnt sind, kommen sie ohne eine Decke aus.

Ist ein langes Winterfell unerwünscht oder sollte das Pferd sowieso geschoren sein, ist eine Decke dagegen Pflicht.

Wird das Pferd im Stall gehalten, so kommt es auf die Temperatur im Stall an und auf die Ausrüstung, die das Pferd trägt, wenn es den Stall verlässt. Grundsätzlich sollte in Ställen, in denen es zieht, das Pferd besser eingedeckt werden.

Am kompliziertesten ist es bei der Paddockhaltung. Im Stall ist es warm, der Paddock kann sehr kalt sein. Pferde haben so oft Probleme, sich an die wechselnden Temperaturen mit der passenden Felldicke einzustellen. In der Nacht ist eine Decke eine gute Idee, diese müsste aber am Tag wieder entfernt werden, weil das Pferd sonst schwitzt und Gefahr läuft, sich zu verkühlen.

Was tun bei Training

Schwitzt das Pferd, wird es von innen heraus nass. Das untergräbt die schützende Wirkung des Felles, denn es schützt vor Nässe von außen. Der Schweiß, der direkt auf der Haut ist, führt schnell zu Unterkühlungen. Dazu kommt, dass es lange dauert, bis das Fell wieder trocken ist. Während all dieser Zeit ist die Gefahr einer Erkältung hoch, weil Wasser bzw. Nässe Wärme und Kälte sehr gut leiten.

Pferde, die regelmäßig geritten bzw. trainiert werden, sollte man deshalb immer eindecken. Je mehr Training das Pferd zu absolvieren hat, desto eher sollte es eingedeckt bzw. geschoren werden.

Die goldene Regel

Als Kardinalregel gilt, dass man Pferde nicht eindecken muss, wenn sie geschützt und trocken stehen sowie genügend Winterfell gebildet haben. Sollten sie jedoch nicht ausreichend Winterfell haben (das kann durch frühes Eindecken, Schur oder Haltung im warmen Stall der Fall sein) ist Eindecken Pflicht.

Am schlechtesten für Pferde ist eine Kombination aus Kälte, Nässe und Wind. Auch hier sollte eingedeckt werden.

Die Entscheidung muss aber immer individuell getroffen werden, abhängig von Pferd, Haltungsform und Trainingsprogramm.

Exkurs: Mein Pferd zittert – ist ihm kalt?

Grundsätzlich fühlen sich Pferde bei dreißig Grad genauso wohl wie bei zweistelligen Minustemperaturen. Wenn ein Pferd bei niedrigen Temperaturen zittert, dann versucht es, sich „warm zu zittern“. Bei gesunden Pferden dauert ein solches akutes Zittern nur sehr kurz und wird dann durch interne Wärmeproduktion ersetzt. (Der Dickdarm von Pferden ist eine Art eingebaute Heizung, die 30 Prozent des aufgenommenen Raufutters in Wärme umwandelt.) Zittert das Pferd aber länger oder häufiger, sollte sicherheitshalber immer tierärztlicher Rat eingeholt werden.

Tipp zum Überprüfen, ob dem Pferd kalt ist: Ist der Ohrenansatz warm, sollte alles ok sein. Ein kalter Ohrenansatz ist dagegen oft ein Zeichen dafür, dass dem Pferd zu kalt ist. Dann sollte etwas unternommen werden.

Pferdedecken

Die Meinungen bei Pferdedecken gehen manchmal auseinander. Es gibt Menschen, die von den Decken nichts halten. Grundsätzlich schaden Pferdedecken einem Pferd nicht, wenn sie richtig verwendet werden. Es stimmt aber, dass solche Decken oft nicht notwendig sind.

Folgende Punkte gilt es zu vermeiden, damit Pferdedecken richtig verwendet werden:

  • schlechter Sitz
  • scheuernde Decke
  • Pferdedecke verwenden statt vor dem Reiten aufzuwärmen
  • Verwendung einer Abschwitzdecke statt Trockenreiten
  • Verwendung der falschen Decke für die aktuelle Witterung (z. B. Abschwitzdecke bei Regen)
  • Pferd ist zu warm eingedeckt
  • Pferd ist unregelmäßig eingedeckt, was schlecht ist für die Thermoregulation

Deckenarten

Es gibt verschiedene Arten von Pferdedecken. Hier sind ein paar Arten und wofür sie verwendet werden:

  • Abschwitzdecke: Dient dazu, das Pferd nach der Arbeit warm zu halten und zu trocknen.
  • Übergangsdecken: für niedrige Temperaturen, die aber noch im Plusbereich sind.
  • Winterdecken: bei frostigen Temperaturen. Hochwertige Decken schützen bis - 25 Grad.

Denken Sie immer daran, zu beobachten, wie das Pferd auf die Decke reagiert. Wie kommt es damit zurecht?

Grundsätzlich sind Pferde erstaunlich unempfindlich gegen Kälte. Wechselnde Temperaturen und Klimareize wirken sich zudem positiv auf Gesundheit und Immunsystem der Pferde aus, weil es abhärtet. Pferdedecken sind zwar oft nicht notwendig, aber es ist gut, sie im Notfall bereit zu haben.